Mitten in den heftigsten Kämpfen seit Wochen keimt wieder Diplomatie auf. Vermittler haben Washington und Teheran den Entwurf für eine befristete Waffenruhe vorgelegt und die Ölpreise stoppen vorerst ihren Höhenflug. Für neue Nervosität sorgt ausgerechnet ein Tropensturm vor der US-Küste. Die Heizölpreise in Deutschland und Österreich treten heute weitgehend auf der Stelle.
Der Montag endete an den Ölbörsen trotz zwischenzeitlicher Verkaufswellen mit Aufschlägen, am Dienstagmorgen drehen die Kurse leicht ins Minus. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 88,46 US-Dollar, die amerikanische Sorte WTI 82,50 US-Dollar. Gasöl, der für den europäischen Heizölmarkt entscheidende Terminkontrakt an der Londoner ICE, hält sich mit 1.199,75 US-Dollar je Tonne knapp unter der 1.200er-Marke. Der Euro notiert bei 1,14 US-Dollar.
Hinter der Verschnaufpause steht ein diplomatischer Vorstoß. Katar, Ägypten und Pakistan haben beiden Kriegsparteien laut dem US-Nachrichtenportal Axios den Entwurf für eine zehntägige Waffenruhe vorgelegt, die auch die Wiederherstellung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus vorsieht. Washington prüft das Papier demnach, bereitet sich aber gleichzeitig auf ein Scheitern der Gespräche vor und drängt Israel, das Zeitfenster für Diplomatie nicht zu gefährden. Die Kämpfe gehen unterdessen weiter, in der Nacht griffen die US-Streitkräfte zum zehnten Mal in Folge Ziele im Iran an, und Teheran setzte seine Vergeltungsschläge in der Golfregion fort.
Wie fragil die Lage bleibt, zeigt der Blick in den Jemen. Die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz hat eine Seeblockade Saudi-Arabiens angekündigt und zielt damit auf die Ausweichroute, über die das Königreich seine Exporte seit der Hormus-Blockade verstärkt über den Hafen Yanbu am Roten Meer abwickelt. Analysten warnen, eine Störung dieser Route könnte die Ölpreise sprunghaft steigen lassen, weil die weltweiten Lagerbestände kaum noch Puffer bieten. Am Schwarzen Meer wurde mit dem Exportterminal des CPC-Konsortiums bereits ein weiterer wichtiger Verladepunkt von Drohnen angegriffen.
Ein neuer Unsicherheitsfaktor braut sich fernab des Kriegsgebiets zusammen. Im Golf von Mexiko zieht Tropensturm Bertha auf die US-Küste zu und dürfte am Mittwochabend zwischen Louisiana und Alabama auf Land treffen. Der Ölkonzern Chevron hat eine erste Förderplattform geräumt, auch BP soll Anlagen evakuiert haben. Berechnungen zufolge könnte der Sturm die Ölproduktion im Golf um rund zwei Millionen Barrel drücken und in seiner Zugbahn arbeiten Raffinerien, die etwa die Hälfte der amerikanischen Verarbeitungskapazität stellen. Neue Anhaltspunkte zur Versorgungslage liefern die wöchentlichen US-Lagerdaten, die heute Abend und morgen Nachmittag anstehen.
Die Heizölpreise im Inland gönnen sich nach dem kräftigen Wochenstart eine Atempause. In Deutschland liegt der Bundesschnitt bei 1,33 Euro je Liter und damit praktisch auf Vortagsniveau. In Österreich stagniert der Landesmittelwert bei 1,55 Euro. Von Entwarnung kann trotzdem keine Rede sein, denn die Prognose deutet für morgen in Deutschland auf weitere Aufschläge, und das Niveau ist weiter das höchste seit rund zwei Monaten. Die Nachfrage zeigt sich entsprechend zurückhaltend.
Ob die Atempause hält, entscheidet sich an zwei Fronten. Nimmt der Iran den Waffenruhe-Entwurf an, dürfte der Aufwärtsdruck spürbar nachlassen. Machen die Huthi ihre Blockade-Drohung wahr oder trifft Bertha die US-Ölindustrie hart, wäre das Gegenteil der Fall.
Börsendaten:
| Dienstag 21.07.2026 - 10:27 Uhr | Schluss Vortag 20.07.2026 | Veränderung zum Vortag | |
|---|---|---|---|
| Rohöl Brent Crude | 88,18 $ pro Barrel | 88,82 $ pro Barrel | -0,72% |
| Gasöl | 1.199,00 $ pro Tonne | 1.200,00 $ pro Tonne | -0,08% |
| Euro/Dollar | 1,1425 $ | 1,1410 $ | +0,13% (konstant) |
| USD/CHF | 0,8098 CHF | 0,8100 CHF | -0,02% (konstant) |
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