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Trump schickt Ölpreise auf Talfahrt

Ein Satz von Donald Trump hat gestern den Ölmarkt auf Talfahrt geschickt. Der US-Präsident deutete in einem Interview an, der Krieg mit dem Iran könnte „sehr bald” vorbei sein. Die Folge: Brent fiel von fast 120 US-Dollar auf unter 90 US-Dollar, ein Absturz innerhalb weniger Stunden. Die Heizölpreise in Deutschland und Österreich nehmen die Verschnaufpause dankend an und starten ihre erste Abwärtsbewegung seit knapp zwei Wochen. Rund sieben Cent je Liter geht es runter.

Gestern Morgen noch schien der Markt auf dem Weg in unbekannte Preisregionen. Brent kratzte an der 120-US-Dollar-Marke, einem Niveau, das zuletzt 2022 mit dem Beginn des Ukraine-Kriegs erreicht worden war. Dann kam Trump. In einem Interview mit dem Sender CBS News erklärte er, dass der Krieg bald beendet sei. Zusammen mit Andeutungen über mögliche weitere Sanktionsausnahmen reichte das aus, um eine Verkaufswelle auszulösen. Die Nordseesorte Brent fiel bis zum Abend in den Bereich um 89 US-Dollar, der Gasölkontrakt an der Londoner Warenterminbörse ICE rutschte zeitweise unter 1.000 US-Dollar pro Tonne. Heute Morgen haben sich die Preise etwas erholt: Brent notierte bei 91,03 US-Dollar pro Barrel, WTI bei 87,38 US-Dollar, Gasöl bei 1.078,25 US-Dollar pro Tonne.

Ob Trumps Optimismus trägt, ist eine andere Frage. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi schloss Verhandlungen mit Washington am Montag kategorisch aus und erinnerte daran, dass die USA trotz laufender Atomgespräche angegriffen hätten. Die Iranischen Revolutionsgarden kündigten an, keinen Tropfen Öl aus dem Nahen Osten fließen zu lassen, solange die Angriffe andauern. Trump wiederum drohte mit einer Intensivierung der Militärschläge.

Einen zusätzlichen Dämpfer gab es durch Meldungen, dass der Iran seine eigenen Ölexporte trotz der Blockade fortsetzt und der russische Schwarzmeerhafen Noworossijsk seine Verladungen wieder aufgenommen hat. Beides erhöht kurzfristig das Angebot. Dennoch bleibt die fundamentale Lage angespannt: Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Bahrain und der Irak haben allesamt ihre Fördermengen reduziert, weil die Lager voll sind und die Straße von Hormus weiter blockiert bleibt. Klarheit über die tatsächliche Angebotslage könnte der EIA-Monatsbericht bringen, der heute Abend um 17 Uhr veröffentlicht wird.

In Deutschland liegt der Bundesschnitt aktuell bei knapp 1,36 Euro pro Liter, das sind rund sieben Cent weniger als noch gestern. Wer den gestrigen Höchststand als Referenz nimmt: Eine 3.000-Liter-Order hätte am Montag noch rund 4.289 Euro gekostet, heute sind es rund 4.065 Euro. Über 200 Euro weniger, innerhalb eines Tages. Das zeigt, wie dünn das Eis derzeit ist, auf dem die Preise tanzen.

In Österreich liegt der Tagesschnitt bei 1,66 Euro pro Liter. Auch dort gehen die Preise heute spürbar zurück. Die Volatilität der vergangenen Tage macht deutlich, wie stark der Markt derzeit auf einzelne Schlagzeilen reagiert.

Das Nachfragebild erzählt eine eigene Geschichte. Mit Kriegsausbruch schnellte die Nachfrage nach Heizöl in die Höhe, viele Verbraucher wollten sich dem Preisanstieg entziehen und bestellten schnell. Inzwischen ist die Nachfrage deutlich eingebrochen, und die Bestellmengen sind kleiner geworden. Verbraucher kaufen aktuell nur, wenn sie für den Rest der laufenden Heizsaison noch etwas benötigen. Vorratskäufe für den kommenden Winter sind auf diesem Preisniveau kaum zu beobachten, und das ist nachvollziehbar.

Wer auf bessere Zeiten wartet, sollte sich allerdings auf einen längeren Atem einstellen. Das Chartbild nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 liefert einen Anhaltspunkt: Damals folgte auf den ersten extremen Preisschock ein Rücksetzer, dann eine zähe Hochpreisphase, während sich der Markt neu ordnete. Eine ähnliche Entwicklung ist diesmal nicht auszuschließen. Eine erste Entlastung könnte die Freigabe strategischer Ölreserven durch die G7-Staaten bringen. Für eine durchgreifende Entspannung führt kein Weg an einer Wiedereröffnung der Straße von Hormus vorbei. Kommt sie rasch, dürften die Preise schnell und kräftig nachgeben. Lässt sie auf sich warten, droht eine Seitwärtsphase mit Ölpreisen über 100 US-Dollar pro Barrel. Ein kleiner Trost bleibt: Der Preisschock trifft den Markt im Frühjahr. Heizölkunden haben nun Zeit, auf günstigere Einstiegspunkte zu warten.


Börsendaten:
Dienstag 10.03.2026 - 10:45 Uhr Schluss Vortag 09.03.2026 Veränderung zum Vortag
Rohöl Brent Crude 89,31 $ pro Barrel 89,79 $ pro Barrel -0,53%
Gasöl 1.064,25 $ pro Tonne 1.022,50 $ pro Tonne +4,08%
Euro/Dollar 1,1657 $ 1,1628 $ +0,25% (etwas fester)
USD/CHF 0,7751 CHF 0,7773 CHF -0,28% (etwas schwächer)


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