Der Ölmarkt hat die nächste Eskalationsstufe erreicht. Seit der Nacht greifen iranische Raketen und Drohnen systematisch Energieanlagen in der gesamten Golfregion an. Die Öl- und Gaspreise sind daraufhin kräftig nach oben gesprungen. Für Heizölkäufer bedeutet das erneut deutlich höhere Kosten als noch gestern. Die Aufschläge fallen regional sehr unterschiedlich aus, teilweise sind es bis zu 13 Cent je Liter.
Die beiden wichtigen Rohölsorten, das europäische Brent und das amerikanische WTI (West Texas Intermediate), legten am Mittwoch im Verlauf des Tages kräftig zu und schlossen mit deutlichen Gewinnen. Am Nachmittag hatte eine Meldung den Markt aufgeschreckt: Israel griff das iranische Gasfeld South Pars an, das größte Gasfeld der Welt. Der Iran antwortete noch am selben Abend mit Vergeltungsschlägen, unter anderem auf die LNG-Exportanlage Ras Laffan in Katar. Die Nacht brachte dann die nächste Stufe.
Der Iran beschoss Öl- und Gasanlagen in mehreren Ländern gleichzeitig: In Kuwait traf eine Drohne die Raffinerie Mina Al-Ahmadi, eine der größten im Nahen Osten mit einer Tageskapazität von 730.000 Barrel. In Saudi-Arabien wurde die Raffinerie Samref im Hafenort Yanbu angegriffen, die gemeinsam von Saudi Aramco und dem US-Konzern ExxonMobil betrieben wird. In den Vereinigten Arabischen Emiraten schloss Abu Dhabi nach einem Raketenangriff die Gasanlage Habschan sowie das Ölfeld Bab. Die Emirate gaben an, ihre Luftabwehr habe die Raketen abgefangen, herabstürzende Trümmer hätten jedoch Schäden verursacht.
Auch Katar bleibt im Fokus: Die Anlage Ras Laffan gilt als wichtigster Exportknotenpunkt für Flüssigerdgas und steht für rund ein Fünftel der globalen LNG-Lieferungen. Seit Beginn der Kampfhandlungen ist der Betrieb dort unterbrochen; der staatliche Konzern QatarEnergy meldete schwere Schäden.
Die Marktreaktion fiel entsprechend deutlich aus. Brent-Rohöl kostete am Donnerstagmorgen knapp 113 US-Dollar je Barrel, mehr als fünf Dollar über dem Vortagesschluss. Die US-Sorte WTI legte ebenfalls zu, wenn auch etwas moderater. ICE Gasöl, zentral für die Heizölpreisbildung, stieg auf knapp 1.332 US-Dollar je Tonne, ein Plus von gut 72 US-Dollar. Die ICE (Intercontinental Exchange) in London ist die wichtigste europäische Energieterminbörse.
Marktbeobachter zeigen sich zunehmend besorgt über das, was dieser Krieg strukturell bedeutet. Nicht nur die Straße von Hormus ist blockiert, nun werden auch Förder- und Verarbeitungsanlagen in Ländern angegriffen, die formal nicht Kriegspartei sind. Selbst im Falle eines baldigen Waffenstillstands würden beschädigte Anlagen Monate benötigen, um wieder auf Normalbetrieb zu kommen. Die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr zu alten Liefermengen schwindet damit von Tag zu Tag.
US-Präsident Donald Trump erklärte am späten Mittwochabend, Israel werde South Pars nicht erneut angreifen, solange der Iran Katars Anlagen in Ruhe lasse. Für den Fall weiterer Attacken auf Katar drohte er dem Iran mit militärischer Reaktion einer bislang nicht gesehenen Stärke. Gleichzeitig berichten Medien, die USA erwägen die Entsendung tausender zusätzlicher Soldaten in die Region.
Zusätzlichen Druck erhält der Markt vom Währungsgefüge. Der Euro ist am Mittwochabend deutlich unter die Marke von 1,15 US-Dollar gefallen. Die Eurozone gilt angesichts ihrer hohen Abhängigkeit von Energieimporten als besonders verwundbar, ein schwacher Euro verteuert die in US-Dollar gehandelten Rohstoffe für europäische Käufer zusätzlich.
Dazu kommt die Geldpolitik. Die US-Notenbank Federal Reserve ließ ihren Leitzins gestern erwartungsgemäß unverändert. Fed-Chef Jerome Powell machte deutlich, dass ohne einen spürbaren Rückgang der Inflation keine Zinssenkungen zu erwarten seien. Am heutigen Nachmittag entscheidet auch die Europäische Zentralbank über ihren Leitzins. Ökonomen rechnen mit unveränderten Sätzen, die Aufmerksamkeit gilt jedoch vor allem der Frage, wie die EZB die steigenden Energiepreise und deren Inflationswirkung bewertet.
Die Heizölpreise in Deutschland ziehen weiter an. Und das teilweise ziemlich kräftig. Am Donnerstagmorgen liegt der bundesweite Durchschnitt bei knapp 1,46 Euro je Liter, etwa neun Cent mehr als am Vortag. Damit wird erneut eine Preisschwelle überschritten, die zuletzt während der Energiekrise 2022 erreicht wurde und zudem die Preisspitze des aktuellen Iran-Krieges markiert. Regional zeigen sich erhebliche Unterschiede. Hannover führt mit knapp 1,60 Euro je Liter, dicht gefolgt von Hamburg mit rund 1,55 Euro, wo mit über 13 Cent auch der stärkste Tagesanstieg verzeichnet wurde. Süddeutschland bleibt mit durchschnittlich 1,36 Euro je Liter weit hinter dem nördlichen Schnitt.
Auch in Österreich werden mit einem landesweiten Durchschnitt von 1,68 Euro . Die eh schon sehr geringe Nachfrage nach dem flüssigen Brennstoff dürfte mit der jüngsten Teuerung einen weiteren Dämpfer bekommen. Aktuell wird nur gekauft, wenn es unbedingt nötig ist und auch deutlich weniger als üblich.
| Donnerstag 19.03.2026 - 10:33 Uhr | Schluss Vortag 18.03.2026 | Veränderung zum Vortag | |
|---|---|---|---|
| Rohöl Brent Crude | 118,40 $ pro Barrel | 109,65 $ pro Barrel | +7,98% |
| Gasöl | 1.402,25 $ pro Tonne | 1.305,50 $ pro Tonne | +7,41% |
| Euro/Dollar | 1,1464 $ | 1,1456 $ | +0,07% (konstant) |
| USD/CHF | 0,7932 CHF | 0,7929 CHF | +0,04% (konstant) |