Die Ölpreise haben am Donnerstag zugelegt, nachdem Berichte über eine dritte US-Flugzeugträgergruppe im Nahen Osten die Runde machten. Gasöl ging dagegen schon gestern schwächer aus dem Handel. Am Freitagvormittag geben alle beide deutlich nach, weil Washington Druck auf Europa macht, seine Diesel-Notreserven zu öffnen. Der Liter Heizöl kostet in Deutschland rund drei Cent weniger als gestern, in Österreich gut einen Cent.
Die Nordseesorte Brent kostet am Vormittag 99,17 US-Dollar je Barrel, die amerikanische Sorte WTI 89,17 US-Dollar, beide rund vier Prozent unter dem gestrigen Schlusskurs. Gasöl, aus dem Raffinerien Diesel und Heizöl herstellen, wird an der Londoner Börse ICE mit 1.369,75 US-Dollar je Tonne gehandelt und verliert damit über fünf Prozent.
Gestützt wurden die Rohölpreise gestern von einer militärischen Nachricht. Das Pentagon verlegt eine dritte Flugzeugträgerkampfgruppe in den Nahen Osten, zusammen mit rund 9.000 bis 10.000 Soldaten. Unterwegs sind die Trägergruppe der USS Theodore Roosevelt und der Verband der USS Makin Island, ankommen sollen sie nach Angaben des Wall Street Journal bis Ende November. Damit stünden den USA in der Region erstmals seit dem Frühjahr wieder drei Trägergruppen zur Verfügung. US-Präsident Donald Trump bezeichnete das jüngste iranische Angebot zur Öffnung der Straße von Hormus im Interview mit dem Magazin Time als unzureichend und hielt es für möglich, die Bombardierung nach den Zwischenwahlen am 3. November wieder aufzunehmen.
Dass die Lieferwege verwundbar bleiben, zeigt die Straße von Hormus. Dort wurde am Donnerstag erneut ein Tanker von einem Geschoss getroffen und geriet in Brand, die Besatzung blieb nach Angaben der britischen Seehandelsaufsicht UKMTO unverletzt. Die New York Times berichtet unter Berufung auf einen westlichen Sicherheitsvertreter, dass der Iran seit Anfang August wöchentlich rund 30 Drohnen- und zehn Raketenangriffe auf Handelsschiffe in der Meerenge führt, häufig ohne Treffer. Die Ausfuhren aus der Region haben sich zuletzt dennoch dem Vorkriegsniveau angenähert, ein Teil davon allerdings über Routen, die die Meerenge umgehen.
Der Rutsch am Freitagvormittag hat seinen Ursprung dagegen in Washington und Brüssel. Die US-Regierung verlangt nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters von Deutschland und Frankreich, ihre strategischen Dieselreserven abzubauen, um den Preisdruck bei Diesel und Benzin zu senken. Im Gespräch sind 120 Millionen Barrel innerhalb von sechs Monaten. Lehnen die Europäer ab, droht Washington damit, kein US-Diesel mehr nach Europa zu liefern. Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte, eine offizielle Anfrage der Internationalen Energieagentur liege bislang nicht vor. Die EU-Energietaskforce aus Kommission und Mitgliedstaaten berät am Vormittag darüber. Brüssel muss dabei abwägen. Wer die Lager jetzt leert, hat weniger Spielraum, falls der Krieg im Nahen Osten erneut eskaliert. An den Börsen genügte die Aussicht auf zusätzliche Mengen, um Rohöl und vor allem Gasöl nach unten zu schicken.
Von der anderen Seite bleibt der Druck am Produktmarkt bestehen. China führt weniger raffinierte Produkte aus und behält mehr davon im eigenen Land, russischer Diesel bleibt bis Ende Oktober gesperrt, und die ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien gehen weiter, zuletzt auf Industrieanlagen in Wolgograd.
Im Inland schlägt der Rutsch bei Gasöl unmittelbar durch. Der Liter kostet im deutschen Bundesschnitt 1,65 Euro, knapp drei Cent weniger als gestern. Die Woche war ein Hin und Her in enger Spanne, zwischen 1,65 Euro am Dienstag und 1,69 Euro am Donnerstag lagen nur knapp vier Cent, und unterm Strich steht der Preis heute ungefähr dort, wo er am Montag stand. Dicht beieinander liegen auch die Regionen. Zwischen München als günstigster und Köln als teuerster Großstadt liegen gut acht Cent je Liter. Das frühere Gefälle zwischen Nord und Süd ist zudem kaum noch zu erkennen, teurer ist es vor allem entlang der Rheinschiene, wo das Niedrigwasser die Transporte bremst.
In Österreich ging es die ganze Woche über abwärts. Der Liter kostet heute 1,83 Euro und damit rund fünf Cent weniger als am Montag. Der Rückgang verlief ohne jegliche Gegenbewegung.
Börsendaten:
| Freitag 02.10.2026 - 12:24 Uhr | Schluss Vortag 01.10.2026 | Veränderung zum Vortag | |
|---|---|---|---|
| Rohöl Brent Crude | 100,03 $ pro Barrel | 103,21 $ pro Barrel | -3,08% |
| Gasöl | 1.381,50 $ pro Tonne | 1.447,75 $ pro Tonne | -4,58% |
| Euro/Dollar | 1,1229 $ | 1,1238 $ | -0,08% (konstant) |
| USD/CHF | 0,8277 CHF | 0,8305 CHF | -0,34% (etwas schwächer) |
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